- Sicherheit
- Alltag
Sichere Passwörter ohne Zettelwirtschaft: das Drei-Wörter-Verfahren
Am Ende dieser Anleitung haben Sie ein Passwort, das Sie sich tatsächlich merken können und das trotzdem sicher ist — und Sie wissen, welcher Zugang zuerst drankommt.
Warum das übliche Passwort das Problem ist
Die meisten Menschen haben ein Passwort, das ungefähr so aussieht: Ha7!mR3z. Acht Zeichen, kompliziert, kaum zu merken — und deshalb überall dasselbe.
Beide Eigenschaften sind ungünstig.
Erstens ist es kürzer, als es aussieht. Für einen Computer, der Passwörter durchprobiert, wiegt die Länge weit schwerer als die Kompliziertheit. Acht Zeichen bleiben acht Zeichen, egal wie verwinkelt sie aussehen.
Zweitens ist es überall dasselbe. Und das ist der eigentliche Schaden. Bei Unternehmen im Internet wird regelmäßig eingebrochen; dabei werden Adressen und Passwörter erbeutet. Die Angreifer probieren dieselbe Kombination anschließend überall durch. Wer überall dasselbe Passwort hat, verliert bei einem einzigen Einbruch alles. Wer überall ein anderes hat, verliert eine einzige Stelle. Auch die Nachricht „Ihr Konto wurde gesperrt“ zielt auf das Passwort — sie ist eines der Muster in Betrug per Nachricht erkennen.
Schritt für Schritt
Schritt 1: Drei Wörter suchen — nicht ausdenken
Nehmen Sie ein Buch oder eine Zeitung. Schlagen Sie dreimal blind eine Seite auf und nehmen Sie jeweils das erste Hauptwort.
Das klingt umständlich, ist aber der entscheidende Punkt: Selbst ausgedachte Wörter sind vorhersehbarer, als man glaubt. Man nimmt, was im Raum steht oder was einem lieb ist — und genau dort suchen die Programme zuerst.
Keine Namen aus Ihrer Familie, keine Wörter aus Ihrem Beruf, kein Haustier.
Zum Beispiel:
Gießkanne,Bahnsteig,Marmelade.Schritt 2: Die drei Wörter zusammensetzen
Schreiben Sie sie mit einem Zeichen dazwischen:
Gießkanne-Bahnsteig-MarmeladeDas sind 29 Zeichen. Es ist um ein Vielfaches sicherer als
Ha7!mR3z— und Sie haben es sich beim Lesen schon gemerkt.Nehmen Sie nicht genau dieses. Es steht in diesem Artikel und in unserem Buch. Nehmen Sie Ihre eigenen drei Wörter.

Bild 1: Nachbau. Drei Wörter sind sicherer als acht Sonderzeichen — die Anzeige bestätigt es. Schritt 3: Für jede Stelle ein Kennzeichen anhängen
Damit nicht überall dasselbe steht, hängen Sie je Zugang zwei Buchstaben an, zum Beispiel die ersten zwei des Dienstes:
Gießkanne-Bahnsteig-Marmelade-po (für das Postfach) Gießkanne-Bahnsteig-Marmelade-ba (für die Bank)Eine ehrliche Einordnung: Dieses Anhängsel ist ein Kompromiss. Wer eines Ihrer Passwörter kennt, könnte das Muster erraten. Deshalb bekommt jeder Ihrer drei bis fünf wichtigsten Zugänge eine eigene, völlig verschiedene Wörterreihe. Für den Rest genügt das Muster — und es ist immer noch unendlich viel besser als dasselbe Passwort überall.
Schritt 4: In welcher Reihenfolge Sie umstellen
Sie müssen nicht alles an einem Nachmittag ändern. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Vollständigkeit:
- Das Postfach. Es ist der wichtigste Zugang überhaupt, denn über das Postfach lassen sich fast alle anderen zurücksetzen. Wer Ihr Postfach hat, hat den Rest.
- Die Bank.
- Alles, wo eine Zahlungsart hinterlegt ist.
- Der Rest, nach und nach.
Schritt 5: Ein Heft anlegen
Schreiben Sie die Passwörter auf, in ein kleines Heft, das in einer Schublade liegt. Nicht an den Bildschirm, nicht unter die Tastatur.
Schreiben Sie je Zeile vier Dinge: wofür, welcher Anmeldename, welches Passwort — und das Datum, damit Sie sehen, was alt ist.
Ein Heft in der Schublade ist deutlich sicherer als dasselbe Passwort überall. Der Einbrecher, der Ihre Schublade durchsucht, ist selten. Der Einbruch bei einem Unternehmen im Internet ist alltäglich.
Schritt 6: Die zweite Tür einrichten — der größere Schritt
Ein Passwort ist ein Schlüssel. Die zweite Tür ist ein zweiter Schlüssel, den nur Sie haben: Nach dem Passwort wird zusätzlich etwas bestätigt — meist eine Zahl, die auf Ihr Telefon kommt.
Mit der zweiten Tür nützt ein gestohlenes Passwort allein niemandem mehr etwas.
Richten Sie sie zuerst für das Postfach ein, dann für die Bank — bei Banken in der Europäischen Union ist sie für den Kontozugang ohnehin vorgeschrieben, Sie haben sie dort also schon.
Der Weg ist bei allen großen Anbietern ähnlich: Einstellungen → Sicherheit → „Bestätigung in zwei Schritten".

Bild 2: Nachbau. In den Einstellungen jedes großen Anbieters gibt es diesen Punkt. Schritt 7: Die Ersatzcodes ausdrucken
Beim Einrichten der zweiten Tür bekommen Sie eine Liste mit Ersatzcodes — meist acht bis zehn Stück.
Drucken Sie sie aus oder schreiben Sie sie in Ihr Heft. Diese Liste ist Ihr Ersatzschlüssel für den Fall, dass Sie an Ihr Telefon nicht mehr herankommen. Mit ihr dauert die Rückkehr in Ihr Postfach zwei Minuten. Ohne sie dauert sie Tage und verlangt Nachweise.
Und prüfen Sie heute einmal nach, ob die hinterlegte Rückfallnummer noch stimmt. Bei vielen Menschen steht dort eine Nummer, die es seit Jahren nicht mehr gibt. Das merkt man immer erst, wenn es zu spät ist.
Häufige Fehler
„Ich ändere lieber alle drei Monate mein Passwort."
Das war lange der Rat, und er gilt nicht mehr. Wer häufig wechseln muss, denkt sich schwache Varianten aus — Sommer2026, dann Herbst2026. Ein langes, einzigartiges Passwort, das bleibt, ist besser als ein kurzes, das wandert. Ändern Sie es, wenn es einen Anlass gibt.
„Ich lasse den Browser die Passwörter speichern."
Das ist in Ordnung — für alles außer Postfach und Bank. Für diese beiden tippen Sie weiterhin von Hand aus dem Heft ab und rufen die Seite über ein Lesezeichen auf — wie das geht, steht in der Anleitung zur Adresszeile. Der Grund: Wer je an Ihren Rechner kommt, hätte mit einem gespeicherten Passwort sofort Ihr Postfach — und über das Postfach alles andere.
„Mein Passwort ist eine Zahlenkombination, die nur ich kenne."
Geburtsdaten, Hochzeitstage, Autokennzeichen und Postleitzahlen stehen in jeder dieser Listen ganz oben. Sie fühlen sich persönlich an und sind es nicht.
„Ich schaffe das nicht alles."
Dann machen Sie heute nur eines: das Postfach. Neues Passwort aus drei Wörtern, ins Heft geschrieben, zweite Tür eingerichtet. Das ist bereits der größte Teil des Nutzens. Der Rest hat Zeit — und steht unter Sicher bleiben.
Passendes Buch
In Ruhe erklärt
Sicher im Internet für Senioren
24 Betrugsmaschen erkennen, Passwörter im Griff, sicher einkaufen — Schritt für Schritt am Computer erklärt
Zum BuchHäufige Fragen
- Ist ein Passwort aus drei Wörtern wirklich sicher?
- Ja, und zwar sicherer als das, was die meisten Menschen benutzen. Für einen Computer, der Passwörter durchprobiert, wiegt die Länge weit schwerer als die Kompliziertheit. Drei zufällige Wörter mit Bindestrichen ergeben leicht 25 bis 30 Zeichen — ein Vielfaches der acht Zeichen mit Sonderzeichen, die kaum jemand behält.
- Darf ich Passwörter aufschreiben?
- Ja. Ein Heft in einer Schublade ist deutlich sicherer als dasselbe Passwort überall. Der Einbrecher, der Ihre Schublade durchsucht, ist selten; der Einbruch bei einem Unternehmen im Internet ist alltäglich. Nur an den Bildschirm gehört der Zettel nicht.
- Wie viele verschiedene Passwörter brauche ich wirklich?
- Für die drei bis fünf wichtigsten Zugänge je ein eigenes, völlig verschiedenes. Das sind Postfach, Bank und was Ihnen sonst wichtig ist. Für alles Übrige genügt ein System mit einem angehängten Kennzeichen.
Weiterlesen
- Sicherheit
- Erste Schritte
Echte und falsche Internetseiten unterscheiden: die Adresszeile lesen
Nachgemachte Seiten sehen aus wie das Original. Die Adresszeile verrät sie trotzdem – mit einem Handgriff, der zwei Sekunden dauert. Einmal gelernt, für immer.
- Sicherheit
- Erste Schritte
Betrug per Nachricht erkennen: sieben Muster
Sieben Betrugsnachrichten, die täglich verschickt werden – und woran Sie jede einzelne erkennen, bevor etwas passiert. Mit nachgebauten Beispielen.
