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Betrug per Nachricht erkennen: sieben Muster
Hinweis
Diese Anleitung ist eine allgemeine Information, keine individuelle Beratung. Bei Fragen zu Geld, Recht oder Gesundheit wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.
Am Ende dieser Anleitung kennen Sie die sieben Nachrichten, die derzeit am häufigsten verschickt werden — und Sie erkennen jede einzelne an einem Merkmal, das sich nicht wegretuschieren lässt.
Vorweg: der eine Satz, der fast alles erledigt
Betrüger brauchen von Ihnen immer dasselbe: dass Sie jetzt handeln. Nicht morgen, nicht nach einem Anruf bei Ihrer Tochter — jetzt.
Deshalb hilft ein einziger Satz gegen fast jede Masche, am Telefon wie im Postfach:
„Ich melde mich in zehn Minuten selbst."
Kein echtes Anliegen wird dadurch schlechter. Keine Bank sperrt ein Konto, weil Sie zehn Minuten später zurückrufen. Aber jeder Betrugsversuch endet an dieser Stelle, denn er lebt davon, dass Sie keine Zeit zum Nachdenken haben.
Alles Weitere in dieser Anleitung ist die Frage, woran Sie merken, dass dieser Satz gerade dran ist. Weitere Anleitungen zum Thema finden Sie unter Sicher bleiben.
Schritt für Schritt
Schritt 1: Die drei Auffälligkeiten in jeder Nachricht suchen
Fast jede Betrugsnachricht trägt dieselben drei Zeichen, und Sie finden sie in wenigen Sekunden.
Erstens die Anrede. „Sehr geehrter Kunde" statt Ihres Namens. Ihre Bank kennt Ihren Namen — sie hat ihn im Vertrag stehen.
Zweitens die Frist. Eine Zahl mit Stunden dahinter. Oder ein Wort wie „umgehend".
Drittens der Knopf. Ein farbiger Knopf mitten in der Nachricht, auf dem etwas wie „Jetzt bestätigen" steht. Er ist der eigentliche Zweck der Nachricht.
Finden Sie zwei dieser drei Zeichen, ist es fast immer Betrug. Finden Sie alle drei, brauchen Sie nicht weiterzulesen.

Bild 1: Nachbau. Drei Auffälligkeiten in einer einzigen Nachricht — mehr braucht es nicht. Schritt 2: Muster eins — die Warnung Ihrer Bank
Die erfolgreichste Masche überhaupt. Eine Nachricht meldet einen verdächtigen Zugriff auf Ihr Konto. Kurz darauf ruft jemand an, gibt sich als Mitarbeiter aus und ist ausgesprochen freundlich.
Das eine Zeichen: Es wird nach einer Nummer gefragt — einer Bestätigungsnummer, einem Code aus einer Nachricht, einer Zahl aus Ihrem Bankprogramm.
Diese Nummer ist keine Kontrolle. Sie ist eine Unterschrift. Wer sie vorliest, gibt eine Überweisung frei.
Was Sie tun: auflegen. Dann selbst bei der Bank anrufen — mit der Nummer von Ihrem Kontoauszug, nicht mit der aus dem Anruf.

Bild 2: Nachbau. Alle drei Hebel auf einmal: Angst, Autorität, Zeitdruck. Schritt 3: Muster zwei — die Paketgebühr von 2,99 €
Ein Paket hänge im Zoll fest, eine Nachgebühr von wenigen Euro sei fällig. Der Betrag ist so klein, dass Prüfen sich nicht zu lohnen scheint. Genau das ist die Absicht.
Das eine Zeichen: Für ein paar Euro sollen Sie die vollständigen Kartendaten eintragen, samt der dreistelligen Zahl auf der Rückseite.
Kein Händler und keine Behörde braucht diese Zahl für eine Nachgebühr. Nicht das Geld ist der Gewinn — die Kartendaten sind es.
Was Sie tun: nichts eingeben. Wenn Sie wirklich ein Paket erwarten, rufen Sie die Sendungsverfolgung über Ihr eigenes Lesezeichen auf.

Bild 3: Nachbau. Der Betrag ist klein — die Kartendaten sind der eigentliche Gewinn. Schritt 4: Muster drei — „Ihr Konto wurde gesperrt"
Diesmal geht es nicht um Geld, sondern um einen Zugang: das Postfach, ein Einkaufskonto, ein Bezahldienst. Innerhalb von 24 Stunden müsse man sich anmelden, sonst werde gelöscht.
Das eine Zeichen: ein Link zur Anmeldung. Wer darauf klickt, landet auf einer nachgebauten Seite und gibt dort sein Passwort ein.
Die Angst vor dem Verlust eines Zugangs wirkt bei vielen stärker als die Angst vor einem Geldbetrag. Ein gesperrtes Postfach fühlt sich an wie ein verlorener Schlüsselbund — und ist es auch, denn über das Postfach lassen sich fast alle anderen Zugänge zurücksetzen.
Was Sie tun: die Nachricht schließen. Den Zugang über Ihr eigenes Lesezeichen aufrufen — wie Sie eines anlegen und eine nachgebaute Seite erkennen, steht in der Anleitung zur Adresszeile. Steht dort nichts von einer Sperre, war nichts.

Bild 4: Nachbau. Wer den Zugang fürchtet zu verlieren, klickt schneller. Schritt 5: Muster vier — der Gewinn, für den Sie zahlen sollen
Eine Gewinnbenachrichtigung, freundlich formuliert, mit einer überschaubaren Gebühr für die Auszahlung. Versand, Notar, Bearbeitung.
Das eine Zeichen: Vor dem Gewinn steht eine Zahlung von Ihnen.
Ein Gewinn, für den man zahlen soll, ist kein Gewinn. Und ein seriöser Veranstalter fragt die Kontoverbindung erst, wenn der Gewinn feststeht — nie zusammen mit einer Gebühr.
Was Sie tun: löschen. Nicht antworten, auch nicht, um sich den Spaß zu erlauben — eine Antwort bestätigt, dass die Adresse gelesen wird.

Bild 5: Nachbau. Ein Gewinn, für den man zahlen soll, ist kein Gewinn. Schritt 6: Muster fünf — die Nachricht vom Zoll oder vom Finanzamt
Eine Behörde meldet sich per Nachricht, mit einem Betrag und einer kurzen Frist. Bei der neueren Fassung wird sogar ein Vorwurf erhoben und eine Akte im Anhang angekündigt.
Das eine Zeichen: Eine Behörde, die per Nachricht Geld fordert und dafür ein Formular verlinkt.
Behörden schicken Bescheide auf Papier. Sie kennen Ihre Bankverbindung ohnehin, und sie setzen Fristen in Wochen, nicht in Stunden.
Was Sie tun: Bei Unsicherheit selbst beim Finanzamt anrufen — mit der Nummer von Ihrem letzten Bescheid.

Bild 6: Nachbau. Behörden schicken Bescheide, keine Formulare per Nachricht. Schritt 7: Muster sechs — die Bitte um Verschwiegenheit
Diese Masche kommt in vielen Verkleidungen: als Erbschaft aus dem Ausland, als vertrauliches Geschäft, als Anlagemöglichkeit für einen kleinen Kreis.
Das eine Zeichen: In der Nachricht steht ausdrücklich, dass Sie mit niemandem darüber sprechen sollen.
Das ist das ehrlichste Zeichen überhaupt, denn es sagt die Absicht offen: Wer schweigt, fragt niemanden. Und wer niemanden fragt, prüft nichts.
Was Sie tun: genau das Gegenteil. Erzählen Sie es einem Menschen, dem Sie vertrauen. Das Erzählen selbst beendet die Masche.

Bild 7: Nachbau. In der Nachricht steht selbst, dass niemand danach fragen darf. Schritt 8: Muster sieben — „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer"
Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer, angeblich vom eigenen Kind. Das alte Telefon sei kaputt. Kurz darauf kommt die Bitte, eine Rechnung zu überweisen.
Das eine Zeichen: Es wird nie telefoniert. Immer gibt es einen Grund, warum gerade jetzt kein Anruf möglich ist.
Was Sie tun: Antworten Sie nur einen Satz — und zwar diesen:
„Ich rufe dich gleich unter deiner alten Nummer an."
Wer wirklich Ihr Kind ist, meldet sich kurz darauf. Wer es nicht ist, meldet sich nie wieder. Nimmt niemand ab, fragen Sie über einen dritten Menschen nach: beim anderen Elternteil, bei einem Geschwisterkind, bei einer Freundin.

Bild 8: Nachbau. Zuerst der Kontakt, dann erst das Geld — nie umgekehrt.
Häufige Fehler
„Ich habe geantwortet, um zu sehen, was passiert."
Verständlich, aber ungünstig. Eine Antwort ist die Bestätigung, dass hinter der Adresse ein wacher Mensch sitzt. Solche Adressen werden weitergegeben und bekommen mehr Post, nicht weniger. Nicht antworten, nicht abbestellen, nur als Spam melden — und erst dann, wenn der Fall erledigt ist.
„Der Absender sah echt aus."
Der angezeigte Name beweist nichts. Er lässt sich frei eintragen, wie der Absender auf einem Briefumschlag. Auch eine bekannte Rufnummer im Display beweist nichts — Rufnummern lassen sich fälschen, sogar die 110.
„Es war ja nur ein Klick."
Ein Klick allein richtet in aller Regel keinen Schaden an. Gefährlich wird die Sache erst durch das, was danach passiert: eine Eingabe. Wer nichts eingegeben hat, hat meist nichts verloren.
„Mir passiert so etwas nicht."
Das ist der Satz, den fast alle Betroffenen vorher gesagt haben. Es geht nicht um Leichtgläubigkeit. Diese Nachrichten werden zu Hunderttausenden verschickt, und sie treffen jeden irgendwann in einem ungünstigen Moment — beim Kochen, zwischen zwei Terminen, wenn man tatsächlich ein Paket erwartet.
Wenn doch etwas passiert ist
Drei Schritte, in dieser Reihenfolge:
- Zugang sichern. Passwort ändern — über Ihr eigenes Lesezeichen, nicht über den Link aus der Nachricht. Ein neues, merkbares Passwort finden Sie mit dem Drei-Wörter-Verfahren.
- Geld stoppen. Bank anrufen: Karte sperren lassen und ausdrücklich nach der Rückholung der Überweisung fragen. Ist gerade Geld unterwegs, kommt dieser Schritt zuerst.
- Beweise sichern. Nichts löschen. Bildschirmfoto machen, Uhrzeit notieren.
Der Sperr-Notruf 116 116 ist rund um die Uhr erreichbar und aus dem deutschen Festnetz kostenfrei. Er erreicht allerdings nur die Kartenherausgeber, die daran teilnehmen — rufen Sie deshalb in jedem Fall zusätzlich Ihre eigene Bank an.
Haben Sie gerade Bargeld übergeben, wählen Sie sofort die 110.
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Zum BuchHäufige Fragen
- Woran erkenne ich eine Betrugsnachricht am schnellsten?
- An der Eile. Fast jede Betrugsnachricht setzt eine Frist — 24 Stunden, heute noch, sofort. Echte Stellen arbeiten nicht so: Eine Bank sperrt kein Konto über Nacht, und eine Behörde schreibt einen Brief mit einer Frist von Wochen. Wo gedrängt wird, ist Zeit die richtige Antwort.
- Ist der Absender ein Beweis?
- Nein. Der angezeigte Name lässt sich frei eintragen, so wie man auf einen Briefumschlag jeden Namen schreiben kann. Auch eine echt aussehende Rufnummer im Display beweist nichts, denn Rufnummern lassen sich fälschen. Beweiskraft hat nur der Weg, den Sie selbst gehen: selbst anrufen, selbst die Seite aufrufen.
- Was mache ich, wenn ich schon geklickt habe?
- Ein Klick allein richtet meist keinen Schaden an — gefährlich wird es erst, wenn Sie etwas eingeben. Haben Sie ein Passwort eingegeben, ändern Sie es sofort über Ihr eigenes Lesezeichen, nicht über den Link. Haben Sie Kartendaten eingegeben oder eine Nummer vorgelesen, rufen Sie sofort Ihre Bank an.
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